Auf IT gebaut 2027: Drei Projekte
Wir machen beim Bundeswettbewerb „Auf IT gebaut 2027“ mit, in der Kategorie Sonderpreis Start-up. In drei Wochen sind drei Prototypen entstanden. Einen davon kannst du heute schon ausprobieren.
- Veranstalter
- RKW Kompetenzzentrum
- Kategorie
- Sonderpreis Start-up
- Einsendeschluss
- 26. Oktober 2026
- Preisverleihung
- BAU 2027 in München, Januar 2027
- Team
- Daniel Grimm und Simon Bergmaier, mit Fachleuten vom Bau
Warum wir beim Bau mitmachen
Wir sind Webentwickler. Wir bauen Web-Apps, die Menschen selbst bedienen: Kanzleisoftware, Buchungssysteme, Werkzeuge im Browser. Der Bau ist die Branche, in der wir am häufigsten hören, dass noch mit Papier, PDF und Telefon gearbeitet wird. Das sind nicht Leute, die keine Lust auf Digitales haben. Es fehlen einfach Werkzeuge, die zum Alltag auf der Baustelle und im Büro passen.
Der Wettbewerb war für uns der Anlass, uns hinzusetzen und genau hinzuhören. Wir haben mit „Start with Why“ angefangen, Probleme gesammelt und mit Menschen vom Bau gesprochen. Herausgekommen sind drei Ideen, die alle an einer anderen Stelle ansetzen: im Betrieb, bei der Angebotsphase und auf der Baustelle.
Die Software sortiert vor. Der Mensch entscheidet.
01 · Fluchtlinie
Das Problem: Flucht- und Rettungspläne hängen in fast jedem Betrieb. Ob die eingezeichneten Wege die Vorgaben der Arbeitsstättenregel ASR A2.3 erfüllen, rechnet aber kaum jemand nach. Kleine Betriebe, Handwerk und Hausverwaltungen beauftragen dafür Dienstleister oder basteln mit Vorlagen.
Die Lösung: Du zeichnest den Grundriss nach oder legst ein Foto des vorhandenen Plans darunter. Bei jeder Änderung rechnet Fluchtlinie neu:
- Weglänge je Gefährdungszone, als Luftlinie und als echter Laufweg
- Mindestbreite je Personenzahl und Engstellen, an denen zu viele Menschen durch eine zu schmale Stelle müssen
- Ausfall eines Ausgangs: Wer sitzt fest, wenn Ausgang B zugestellt ist oder ein Brand den Weg sperrt?
- Feuerlöscher: Wo ist der nächste mehr als 20 m entfernt, und wie viele Löschmitteleinheiten braucht die Fläche (ASR A2.2)?
Am Ende druckst du einen Flucht- und Rettungsplan nach DIN ISO 23601 im A4-Querformat, mit „Sie sind hier“, Verhaltensregeln und einem Prüfbericht als zweite Seite. Alle Daten bleiben im Browser, nichts wird hochgeladen.
| Regel | Grenzwert | Quelle |
|---|---|---|
| Fluchtweglänge normal | 35 m Luftlinie | ASR A2.3 |
| Brandgefährdet ohne Löschanlage | 25 m | ASR A2.3 |
| Giftstoff- oder explosionsgefährdet | 20 m | ASR A2.3 |
| Explosivstoffgefährdet | 10 m | ASR A2.3 |
| Tatsächlicher Laufweg | ≤ 1,5 × Luftlinie | ASR A2.3 |
| Breite bis 20 / 200 Personen | 1,00 m / 1,20 m | ASR A2.3, Tab. 1 |
| Weg zum Feuerlöscher | ≤ 20 m | ASR A2.2 |
Technik: Der Grundriss ist ein Raster mit 0,5 m Kantenlänge. Die kürzesten Wege zu allen Ausgängen rechnen wir mit einem Mehrquellen-Dijkstra, die lichte Breite über freie Spannweiten im Raster. Für das Ausfall-Szenario läuft die Rechnung einmal pro Ausgang ohne diesen Ausgang. Jeder Befund ist auf eine Stelle im Plan verortet, ein Klick springt hin.
Wichtig: Fluchtlinie ist eine Prüfhilfe, kein Nachweis. Die Verantwortung bleibt beim Arbeitgeber. Die Fachkraft bekommt einen vorgeprüften Entwurf statt einer Skizze.
02 · Zuschlag
Das Problem: Die Idee kommt von einem Bauingenieur aus dem Ingenieurbau, mit dem wir beim Essen über seinen Alltag gesprochen haben. In seinem Betrieb sucht der Chef jede Woche rund drei Stunden auf Vergabeportalen nach passenden Ausschreibungen. Für ein großes Angebot gehen schnell 15 Stunden drauf. Widersprüche zwischen Leistungsverzeichnis und Baubeschreibung fallen oft erst auf, wenn der Auftrag schon läuft.
Die Lösung: Zuschlag ist „Tinder für Ausschreibungen“. Die App holt neue Bau-Bekanntmachungen aus offenen Schnittstellen (Bund, NRW, EU) und gleicht sie mit dem Profil der Firma ab: Gewerke, Referenzen, Nachweise, Region, Kapazität. Jeder Treffer zeigt, warum er passt und was fehlt. Nach links wischen heißt weg, nach rechts heißt prüfen.
Erst dann lädt die Firma Leistungsverzeichnis und Baubeschreibung hoch. Eine KI markiert Widersprüche, Risiken, kritische Schlagworte und fehlende Qualifikationen. Jeder Befund kommt mit Fundstelle, damit niemand einer Maschine glauben muss.
- Offene Daten statt Scraping: oeffentlichevergabe.de, vergabe.NRW Open Data und TED der EU
- Vorauswahl, keine Automatik: Die Entscheidung, ob man bietet, trifft der Mensch
- Stand: Schnittstellen live getestet, Demo mit echten Bau-Bekanntmachungen im Aufbau, Pilot mit echten LVs geplant
03 · Baufalke
Das Problem: Auf einer Baustelle sind viele Menschen für Sicherheit zuständig: SiGeKo, Fachkraft für Arbeitssicherheit, Gerüstbau, Elektro, Brandschutz, Bauleitung. Mängel werden bei Begehungen gefunden, fotografiert und dann per Mail oder Zuruf weitergegeben. Was bei wem landet, ist oft Zufall.
Die Lösung: Baufalke ist ein Prototyp für einen Drohnen-Scan. Im Modell fliegt die Drohne durch einen 3D-Rohbau, erkennt Mängel, Sicherheitszeichen und Störquellen und macht aus den Rohdaten einen Befund. Für jede zuständige Person entsteht ein Übergabe-Entwurf, nur mit dem, was sie angeht. Auf dem Handy gibt es zusätzlich eine Begehung mit Joystick und Kamera, und Schilder lassen sich direkt auf den Lageplan setzen.
- Pipeline: Rohdaten → Befund → Übergabe an die richtige Person
- Stand: Prototyp mit Beispieldaten, noch ohne echte Drohne
Die drei im Vergleich
| Projekt | Für wen | Phase | Stand |
|---|---|---|---|
| Fluchtlinie | Kleine Betriebe, Handwerk, Hausverwaltungen | Betrieb des Gebäudes | Live im Browser |
| Zuschlag | Mittlere Bauunternehmen, Kalkulation | Vergabe und Angebot | Demo im Bau |
| Baufalke | SiGeKo, Sifa, Bauleitung | Bauausführung | Prototyp, Beispieldaten |
Was alle drei gemeinsam haben
- Nachvollziehbar: Jeder Befund zeigt, woher er kommt. Eine Regel, eine Fundstelle, eine Stelle im Plan.
- Der Mensch entscheidet: Die Software sortiert vor und macht Entwürfe. Freigeben, bieten und verantworten tun Menschen.
- Daten mit Respekt: Fluchtlinie läuft komplett im Browser, Zuschlag nutzt offene Verwaltungsdaten.
- Im Browser: Kein CAD, keine Installation. Ein Laptop oder ein Handy reicht.
Wie es weitergeht
Bis zum 26. Oktober schreiben wir die Einreichungen fertig. Danach wollen wir vor allem eines: mehr Gespräche mit Menschen vom Bau. Jede Stunde Alltag aus dem Betrieb oder von der Baustelle zeigt uns mehr als jede Annahme am Schreibtisch.
Du arbeitest im Handwerk, in der Bauleitung, in der Kalkulation oder im Arbeitsschutz und hast 20 Minuten? Dann schreib uns. Und probier Fluchtlinie mit deinem eigenen Grundriss aus. Wo es hakt, wollen wir es wissen.
Häufige Fragen
Was ist „Auf IT gebaut“?
Ein Bundeswettbewerb für Digitalisierung im Bauwesen, ausgerichtet vom RKW Kompetenzzentrum. Es gibt Kategorien für Handwerk und Technik, Bauingenieurwesen, Bauprozessmanagement, Architektur und einen Sonderpreis für Start-ups. Die Preise werden auf der BAU 2027 in München verliehen. Mehr auf aufitgebaut.de.
Kann ich Fluchtlinie schon benutzen?
Ja, kostenlos unter vartakt.com/fluchtplan. Alle Daten bleiben im Browser. Das Ergebnis ist ein Entwurf und eine Prüfhilfe, kein Nachweis.
Ersetzt Fluchtlinie die Fachkraft für Arbeitssicherheit?
Nein. Fluchtlinie rechnet Wege nach, findet Engstellen und macht einen Planentwurf. Prüfen und freigeben muss eine fachkundige Person.
Ich arbeite am Bau. Wie kann ich mitmachen?
Schreib uns über Kontakt. Wir suchen Gespräche mit Menschen aus Handwerk, Bauleitung, Kalkulation und Arbeitsschutz.
VARTAKT enters “Auf IT gebaut 2027”
VARTAKT, a software studio from Berlin, is taking part in Germany’s federal competition for digitalisation in construction, in the start-up category. We built three prototypes: Fluchtlinie, a free browser tool that checks escape routes against the German workplace rule ASR A2.3 and prints an evacuation plan based on DIN ISO 23601 (try it); Zuschlag, which matches public construction tenders to a company profile and flags contradictions in bills of quantities, each with a source reference; and Baufalke, a drone-scan prototype that turns site inspections into findings routed to the right safety role. In all three, the software pre-sorts and people decide.