VARTAKT
Bericht · Blockchain 2

Blockchain 2026: Smart Contracts und Token

Nach dem großen Hype und dem großen Absturz ist es ruhiger geworden. Und genau jetzt wird die Technik erwachsen: Banken geben Fonds als Token aus, Stablecoins bewegen jeden Monat Billionen, und in der EU gibt es zum ersten Mal klare Regeln. Hier steht, wie das alles funktioniert, vom Schlüsselpaar bis zum Smart Contract, mit sieben Animationen zum Anfassen.

Von Daniel Grimm, VARTAKT35 Min. Lesezeit
Illustration: Eine Kette aus Blöcken, darüber ein Vertrag mit Zahnrad, aus dem Münzen fallen.

Die Kurzfassung

  1. Eine Blockchain ist ein gemeinsames Kassenbuch. Viele Rechner führen dieselbe Liste, niemand kann sie allein ändern.
  2. Besitz ist ein Schlüssel. Wer den privaten Schlüssel hat, kann unterschreiben. Wer ihn verliert, verliert alles.
  3. Smart Contracts sind Programme auf der Kette. Sie halten Geld und geben es nur nach festen Regeln wieder heraus.
  4. Ein Token ist nur eine Tabelle. Adresse und Betrag, verwaltet von einem Smart Contract. Der Wert kommt von außen.
  5. 2026 zählt der Nutzen, nicht der Kurs. Stablecoins, tokenisierte Wertpapiere und Zahlungen wachsen. In der EU regelt MiCA, wer was darf.

Kurz vorab: Das ist Teil 2. In Teil 1 haben wir Hash, Kette und Konsens mit einer Demo zum Fälschen erklärt. Hier geht es um alles, was darauf aufbaut. Wir halten keine Kryptowährungen als Investment und verkaufen keine. Das ist keine Anlage-, Rechts- oder Steuerberatung. Marktzahlen ändern sich täglich, deshalb nennen wir Größenordnungen und den Stand der Quelle.

Ganz einfach

Stell dir ein Notizbuch vor, das in tausend Wohnungen gleichzeitig liegt. Jede neue Zeile wird an alle verschickt. Eine Zeile gilt erst, wenn die Mehrheit sie in ihr Buch übernommen hat. Und alte Zeilen kann niemand mehr ausradieren, weil jede Seite einen Fingerabdruck der vorherigen trägt.

Das ist eine Blockchain. Bei Bitcoin stehen in diesem Buch nur Überweisungen: „A gibt B 0,1“. Bei Ethereum kam 2015 eine große Idee dazu: In das Buch dürfen auch Programme. Ein Programm im Buch heißt Smart Contract. Es läuft auf allen Rechnern gleich und kann Geld verwalten, ohne dass ein Mensch es freigibt.

Und sobald Programme Geld verwalten können, kann man mit ihnen eigenes Geld bauen. Eine Tabelle, wer wie viel von etwas besitzt, plus Regeln für Überweisungen. Das ist ein Token. Gutscheine, Aktien, Euro-Guthaben, Konzerttickets: Alles lässt sich so abbilden.

Kette speichert. Vertrag rechnet. Token zählt.

Der Stand 2026

Die Szene hat drei Phasen hinter sich. Bis 2017 war es ein Experiment für Technikfans. 2017 und 2021 kamen zwei riesige Spekulationswellen, die 2018 und 2022 hart platzten. 2022 brachen der Stablecoin TerraUSD und die Börse FTX zusammen, Anleger verloren Milliarden. Seitdem passiert etwas Interessantes: Die großen Finanzhäuser sind gekommen, und mit ihnen die Regeln.

Was sich seit 2024 verändert hat

  • Bitcoin ist im Depot angekommen. Seit Januar 2024 gibt es in den USA börsengehandelte Bitcoin-Fonds (Spot-ETFs), seit Juli 2024 auch für Ether. Große Vermögensverwalter halten darüber Bitcoin für ihre Kunden.
  • Ethereum ist effizienter geworden. Seit dem Merge 2022 läuft es mit Proof of Stake und braucht laut Ethereum Foundation rund 99,9 Prozent weniger Strom. Die Upgrades Dencun (2024), Pectra (Mai 2025) und Fusaka (Dezember 2025) haben vor allem Layer-2-Netze billiger gemacht.
  • Stablecoins sind das eigentliche Produkt. Der Bestand an Stablecoins lag Ende 2025 bei rund 300 Milliarden US-Dollar. Sie werden für Zahlungen, Überweisungen ins Ausland und als Parkplatz zwischen zwei Geschäften genutzt.
  • Banken tokenisieren. BlackRock hat 2024 einen Geldmarktfonds als Token auf Ethereum gestartet. Tokenisierte Staatsanleihen sind ein Markt im Milliardenbereich.
  • Es gibt Regeln. In der EU gilt seit Ende 2024 die Verordnung MiCA vollständig, die Übergangsfristen sind spätestens im Juli 2026 ausgelaufen. Die USA haben im Juli 2025 mit dem GENIUS Act ein Gesetz für Stablecoins beschlossen. Seit Januar 2026 melden Krypto-Anbieter in der EU Transaktionen an die Steuerbehörden (DAC8).
Die wichtigsten Netze im Überblick
NetzKonsensBlockzeitStärkeSchwäche
BitcoinProof of Workca. 10 Min.Älteste, sicherste Kette, festes Angebot von 21 Mio.Kaum programmierbar, wenige Transaktionen pro Sekunde
EthereumProof of Stake12 Sek.Größtes Ökosystem für Smart Contracts und TokenDirekt auf der Hauptkette teuer bei hoher Last
Layer 2 (Arbitrum, Optimism, Base u. a.)Erben Sicherheit von Ethereumunter 1 Sek. bis 2 Sek.Billig, schnell, gleiche Programme wie EthereumOft noch zentrale Sequencer, Geld wechseln zwischen Netzen ist umständlich
SolanaProof of Stake mit Zeitstempelnca. 0,4 Sek.Sehr schnell und billig in einer einzigen KetteHohe Anforderungen an Knoten, in der Vergangenheit Ausfälle
Private Ketten (Hyperledger u. a.)Bekannte Teilnehmerfrei wählbarDatenschutz, Kontrolle, schnellVertrauen in die Betreiber, oft reicht eine Datenbank

Schlüssel und Signaturen

Auf einer Blockchain gibt es keine Benutzernamen und kein Passwort-vergessen. Es gibt nur Schlüsselpaare. Der private Schlüssel ist eine riesige Zufallszahl, die nur du kennst. Daraus wird ein öffentlicher Schlüssel berechnet, und daraus deine Adresse. Der Weg geht nur in eine Richtung: Aus der Adresse kann niemand deinen privaten Schlüssel zurückrechnen.

Wenn du Geld verschicken willst, schreibst du eine Nachricht wie „Sende 0,5 an Adresse X“ und signierst sie mit deinem privaten Schlüssel. Jeder im Netz kann dann mit deinem öffentlichen Schlüssel prüfen: Diese Nachricht kommt wirklich von dir, und sie wurde nicht verändert. Ändert jemand auch nur ein Zeichen, passt die Signatur nicht mehr.

Probier es aus. Die Demo erzeugt ein echtes Schlüsselpaar in deinem Browser. Nichts verlässt dein Gerät.

Animation 1 · Signieren und prüfen, echt im Browser

Öff. Schlüssel
noch keiner
Adresse
noch keine
Signatur
noch keine

Erzeuge zuerst ein Schlüsselpaar.

Diese Demo braucht JavaScript.

Signiere, ändere dann ein Zeichen in der Nachricht und prüfe erneut. Die Demo nutzt ECDSA mit der Kurve P-256 aus der WebCrypto-Schnittstelle. Bitcoin und Ethereum nutzen dasselbe Verfahren mit der Kurve secp256k1. Die Adresse ist hier vereinfacht: die letzten 20 Bytes eines SHA-256-Hashes. Ethereum nimmt Keccak-256.

Wallets

Eine Wallet ist kein Geldbeutel, in dem Münzen liegen. Die Münzen liegen immer auf der Kette. Die Wallet verwahrt nur den Schlüssel und baut Transaktionen. Es gibt drei Arten:

  • Verwahrt (custodial): Eine Börse hält den Schlüssel für dich. Bequem wie ein Bankkonto, aber du vertraust der Börse. Bei FTX war dieses Vertrauen 2022 falsch.
  • Selbst verwahrt: App oder Browser-Erweiterung, der Schlüssel liegt auf deinem Gerät. Gesichert durch eine Wiederherstellungsphrase aus 12 oder 24 Wörtern. Wer die Wörter hat, hat das Geld.
  • Hardware-Wallet: Ein kleines Gerät, das den Schlüssel nie herausgibt. Es signiert intern und zeigt dir auf dem eigenen Display, was du unterschreibst.

Neu und wichtig sind Smart Accounts. Seit dem Standard ERC-4337 (2023) und dem Pectra-Upgrade 2025 (EIP-7702) kann ein Konto selbst ein Programm sein. Dann gehen Dinge wie Wiederherstellung über Vertrauenspersonen, Tageslimits, Anmeldung mit Passkey statt Wörterliste oder Gebühren, die eine App für dich bezahlt. Für normale Nutzer ist das der größte Schritt in Richtung Alltag.

Der Weg einer Transaktion

Was passiert zwischen deinem Klick auf „Senden“ und dem Moment, in dem das Geld sicher angekommen ist? Am Beispiel Ethereum sind es sechs Schritte.

Animation 2 · Von der Wallet bis zur Finalität

  1. Bauen
  2. Signieren
  3. Mempool
  4. Block
  5. Ausführen
  6. Final
Starte die Transaktion.

Werte sind Beispiele. Die Nonce zählt die Transaktionen eines Kontos und verhindert, dass dieselbe signierte Transaktion zweimal ausgeführt wird.

Zwei Begriffe aus der Animation sind wichtig. Der Mempool ist der Wartebereich: Transaktionen, die das Netz kennt, die aber noch in keinem Block stehen. Wer mehr Trinkgeld bietet, kommt schneller dran. Und Finalität heißt: Ab hier lässt sich der Block nicht mehr zurückdrehen, ohne dass Angreifer einen riesigen Teil aller eingesetzten Ether verlieren. Bei Ethereum dauert das etwa 13 Minuten. Bei Bitcoin gibt es keine harte Finalität, man wartet üblicherweise sechs Blöcke, also rund eine Stunde.

Konten und Zustand

Bitcoin und Ethereum führen ihr Buch unterschiedlich. Bitcoin kennt keine Kontostände. Es kennt nur unverbrauchte Ausgaben (UTXO): Jede Zahlung erzeugt neue „Münzen“, die später als Ganzes ausgegeben werden. Dein Guthaben ist die Summe aller Münzen, die zu deinen Schlüsseln passen. Das ist wie Bargeld: Du zahlst mit einem Zehner und bekommst Wechselgeld zurück.

Ethereum führt Konten wie eine Bank. Jede Adresse hat einen Kontostand, eine Nonce und, falls es ein Smart Contract ist, Code und Speicher. Die Gesamtheit aller Konten heißt Zustand (State). Jeder Block ist eine Funktion, die den alten Zustand in einen neuen überführt. Alle Knoten rechnen sie nach und müssen zum selben Ergebnis kommen.

Zwei Arten von Konten auf Ethereum
Externes Konto (EOA)Contract-Konto
Gesteuert vonPrivatem SchlüsselSeinem eigenen Code
Kann Transaktionen startenJaNein, reagiert nur auf Aufrufe
Hat CodeNein (mit EIP-7702 optional)Ja, unveränderlich nach dem Deployen
Hat SpeicherNeinJa, beliebige Daten
BeispielDeine WalletEin Token, eine Börse, ein Treuhandvertrag

Smart Contracts

Ein Smart Contract ist ein Programm mit eigener Adresse auf der Blockchain. Er wird einmal hochgeladen und liegt dann für immer da. Jeder kann ihn aufrufen. Jeder Knoten führt den Aufruf aus und kommt zum selben Ergebnis. Der Begriff stammt vom Informatiker Nick Szabo aus den 1990ern. Sein Beispiel war der Getränkeautomat: Münze rein, Knopf drücken, Dose raus. Kein Verkäufer muss zustimmen, die Regeln stecken in der Maschine.

Wichtig: Ein Smart Contract ist kein Vertrag im juristischen Sinn. Er ist Code, der Regeln durchsetzt. Ob dahinter ein gültiger Vertrag nach BGB steht, ist eine eigene Frage.

Wie er läuft

Auf Ethereum werden Smart Contracts meist in der Sprache Solidity geschrieben und in Bytecode für die Ethereum Virtual Machine (EVM) übersetzt. Die EVM ist ein sehr einfacher Rechner, der auf jedem Knoten gleich läuft. Sie hat bewusst keinen Zugriff auf das Internet, auf Zufall oder auf die Uhrzeit des Rechners. Nur so kommen alle zum selben Ergebnis. Viele andere Netze, darunter fast alle Layer 2, nutzen dieselbe EVM. Solana nutzt ein eigenes System mit Programmen in Rust.

Ein Beispiel: Treuhand

Kim kauft bei Ole eine gebrauchte Kamera. Kim will nicht vorab zahlen, Ole will nicht vorab liefern. Ein Treuhandvertrag löst das: Kims Geld liegt im Vertrag. Bestätigt Kim den Empfang, geht es an Ole. Liefert Ole nicht rechtzeitig, bekommt Kim es zurück. So sieht der Kern in Solidity aus:

contract Treuhand {
    address public kaeuferin;
    address public verkaeufer;
    uint    public frist;
    enum Status { Erstellt, Bezahlt, Versendet, Abgeschlossen, Erstattet }
    Status public status;

    function bezahlen() external payable {
        require(msg.sender == kaeuferin, "Nur die Kaeuferin zahlt");
        require(status == Status.Erstellt, "Schon bezahlt");
        require(msg.value == 100 ether, "Falscher Betrag");
        status = Status.Bezahlt;
        frist  = block.timestamp + 14 days;
    }

    function versendet() external {
        require(msg.sender == verkaeufer, "Nur der Verkaeufer");
        require(status == Status.Bezahlt, "Noch nicht bezahlt");
        status = Status.Versendet;
    }

    function empfangBestaetigen() external {
        require(msg.sender == kaeuferin, "Nur die Kaeuferin");
        require(status == Status.Versendet, "Noch nicht versendet");
        status = Status.Abgeschlossen;
        payable(verkaeufer).transfer(address(this).balance);
    }

    function erstatten() external {
        require(status == Status.Bezahlt, "Nicht moeglich");
        require(block.timestamp > frist, "Frist laeuft noch");
        status = Status.Erstattet;
        payable(kaeuferin).transfer(address(this).balance);
    }
}

Jedes require ist eine Bedingung. Ist sie nicht erfüllt, bricht der Aufruf ab und alles wird zurückgedreht, als wäre nichts passiert. Das heißt Revert. Die Gebühr für die verbrauchte Rechenzeit ist trotzdem weg. Spiel den Vertrag durch und versuch auch die falschen Knöpfe.

Animation 3 · Der Treuhandvertrag als Automat

  • Erstellt
  • Bezahlt
  • Versendet
  • Abgeschlossen
  • Erstattet

    Grüner Rand: Aufruf erfolgreich. Roter Rand: Revert, der Zustand bleibt unverändert. Der Vertrag kennt keine Ausnahmen und keinen Kundenservice. Genau das ist Stärke und Schwäche zugleich.

    Unveränderlich, aber nicht unbedingt

    Code auf der Kette lässt sich nicht ändern. Ein Fehler bleibt für immer drin. Deshalb nutzen viele Projekte Proxy-Verträge: Nutzer reden mit einem festen Vertrag, der Aufrufe an einen austauschbaren Logik-Vertrag weiterreicht. Das macht Updates möglich, heißt aber auch: Wer den Austausch steuert, kann die Regeln ändern. Schau bei jedem Projekt nach, wer diese Schlüssel hält und ob es eine Wartezeit vor Änderungen gibt.

    Gas: Rechenzeit kostet

    Wenn jeder beliebigen Code auf tausend Rechnern laufen lassen darf, braucht es eine Bremse. Sonst legt eine Endlosschleife das Netz lahm. Diese Bremse heißt Gas. Jeder Rechenschritt der EVM kostet eine feste Menge Gas. Eine Addition kostet 3, einen Wert dauerhaft speichern kostet 20.000. Wer eine Transaktion schickt, legt fest, wie viel Gas sie höchstens verbrauchen darf, und zahlt pro Gas einen Preis.

    Seit 2021 (EIP-1559) besteht der Preis aus zwei Teilen. Die Grundgebühr legt das Netz fest. Sie steigt, wenn Blöcke voll sind, und sinkt, wenn sie leer sind. Sie wird verbrannt, also vernichtet. Dazu kommt ein Trinkgeld für den Validator, der die Transaktion aufnimmt.

    Gebühr = verbrauchtes Gas × (Grundgebühr + Trinkgeld)
    
    1 Gwei = 0,000000001 ETH

    Animation 4 · Gebührenrechner

    Gasmengen sind typische Werte, der echte Verbrauch hängt vom Vertrag ab. Die Grundgebühr lag 2025 oft unter 5 Gwei, in Spitzenzeiten früherer Jahre bei über 100. Der ETH-Preis ist frei wählbar und keine Prognose.

    Die Folge für alle, die Smart Contracts schreiben: Speicher ist teuer, Rechnen ist billig. Gute Verträge speichern so wenig wie möglich auf der Kette. Große Daten wie Bilder liegen woanders, auf der Kette steht nur ihr Hash.

    Das Orakel-Problem

    Ein Smart Contract sieht nur die Kette. Er weiß nicht, wie das Wetter ist, ob das Paket angekommen ist oder was ein Euro in Dollar kostet. Jemand muss ihm diese Daten liefern. Diese Lieferanten heißen Orakel.

    Und hier liegt der Haken: Das Orakel ist eine Vertrauensstelle. Liefert es falsche Daten, rechnet der Vertrag perfekt mit falschen Zahlen. Große Orakel-Netze wie Chainlink mildern das, indem viele unabhängige Anbieter Daten liefern und ein Mittelwert genommen wird. Für Kims Kamera hilft das nicht. Ob die Kamera kaputt ankam, weiß keine Blockchain. Deshalb funktionieren Smart Contracts am besten dort, wo alles, worum es geht, selbst auf der Kette liegt: Token gegen Token, Zahlung gegen digitales Recht.

    Token

    Jetzt das Herzstück. Ein Token ist erstaunlich simpel. Es ist ein Smart Contract, der eine Tabelle führt: Adresse und Betrag. Dazu ein paar Funktionen, um Beträge zu verschieben. Mehr nicht. Der Unterschied zum Coin: Ether oder Bitcoin sind in die Kette selbst eingebaut. Ein Token lebt in einem Vertrag auf einer bestehenden Kette.

    ERC-20: der Standard für austauschbare Token

    Damit jede Wallet und jede Börse mit jedem Token umgehen kann, gibt es Standards. Der wichtigste ist ERC-20 von 2015. Er schreibt sechs Funktionen und zwei Ereignisse vor. Der Kern sieht so aus:

    contract MeinToken {
        mapping(address => uint) public balanceOf;
        mapping(address => mapping(address => uint)) public allowance;
        uint public totalSupply;
    
        event Transfer(address von, address an, uint betrag);
        event Approval(address besitzer, address erlaubt, uint betrag);
    
        function transfer(address an, uint betrag) external returns (bool) {
            balanceOf[msg.sender] -= betrag;   // bricht ab, wenn zu wenig da ist
            balanceOf[an]         += betrag;
            emit Transfer(msg.sender, an, betrag);
            return true;
        }
    
        function approve(address erlaubt, uint betrag) external returns (bool) {
            allowance[msg.sender][erlaubt] = betrag;
            emit Approval(msg.sender, erlaubt, betrag);
            return true;
        }
    
        function transferFrom(address von, address an, uint betrag) external returns (bool) {
            allowance[von][msg.sender] -= betrag;
            balanceOf[von]             -= betrag;
            balanceOf[an]              += betrag;
            emit Transfer(von, an, betrag);
            return true;
        }
    }

    Das Spannende ist das Paar approve und transferFrom. Ein Vertrag kann dir nicht einfach Token wegnehmen. Du musst ihm erst erlauben, bis zu einem Betrag von deinem Konto abzubuchen. Das braucht jede Börse und jedes Abo. Es ist aber auch die häufigste Falle: Viele Apps fragen nach einer unbegrenzten Erlaubnis. Wird der Vertrag später gehackt, kann der Angreifer alles abbuchen.

    Animation 5 · Ein ERC-20-Token von innen

    balanceOf und allowance
    AdresseGuthabenErlaubt für Börse

      Blau: Ereignisse, die der Vertrag ausgibt. Wallets und Block-Explorer lesen nur diese Ereignisse, um dir Kontoauszüge zu zeigen. Probier „Börse gehackt“ einmal vor und einmal nach der unbegrenzten Erlaubnis.

      Die wichtigsten Tokenarten

      Was ein Token sein kann
      ArtStandardBeispielWoher kommt der Wert?
      Austauschbar (fungibel)ERC-20Stablecoins, Governance-TokenVon dem, was außerhalb dahinter steht oder versprochen wird
      Einzigartig (NFT)ERC-721Ticket, Kunstwerk, ZertifikatVom Recht oder Objekt, auf das er zeigt
      GemischtERC-1155Spiel-Gegenstände, TicketkategorienWie oben, mehrere Sorten in einem Vertrag
      Stablecoinmeist ERC-20USDC, USDT, EURCReserven in Bargeld und Staatsanleihen
      Wertpapier-Tokenz. B. ERC-3643Tokenisierte Anleihe oder FondsanteilRechtlicher Anspruch, wie bei einer Aktie
      Utility-TokenERC-20Zugang zu einem DienstNur vom Nutzen des Dienstes, oft sehr spekulativ

      Merke: Der Token selbst ist nur eine Zahl in einer Tabelle. Ein NFT eines Bildes enthält meist nicht das Bild, sondern einen Link darauf. Ein Wertpapier-Token ist nur so gut wie der Vertrag, das Register und das Gericht, die ihn absichern. Die Technik sorgt dafür, dass die Tabelle stimmt. Ob hinter der Tabelle etwas steht, sorgt sie nicht.

      Stablecoins

      Ein Stablecoin ist ein Token, der immer genau einen Dollar oder einen Euro wert sein soll. Er ist das erfolgreichste Produkt der ganzen Branche. Es gibt drei Bauarten:

      • Mit Reserven gedeckt: Für jeden Token liegt ein Dollar oder Euro bei einer Bank oder in kurzen Staatsanleihen. Der Herausgeber tauscht jederzeit zurück. Beispiele: USDC und EURC von Circle, USDT von Tether. Dieses Modell dominiert klar.
      • Mit Krypto gedeckt: Nutzer hinterlegen mehr Ether, als sie Stablecoins bekommen, etwa 150 Prozent. Fällt der Ether-Kurs, wird die Sicherheit automatisch verkauft. Beispiel: DAI, heute USDS von Sky.
      • Algorithmisch: Ohne echte Reserven, nur durch einen Mechanismus mit einem zweiten Token. Genau so war TerraUSD gebaut, und genau so ist er im Mai 2022 binnen Tagen auf fast null gefallen. Unter MiCA sind solche Konstrukte als Stablecoin praktisch nicht mehr zulässig.

      Warum sind Stablecoins so gefragt? Weil sie Dinge können, die Banküberweisungen schwer können: rund um die Uhr laufen, in Sekunden um die Welt gehen und direkt mit Smart Contracts reden. Unter MiCA brauchen Herausgeber in der EU eine Zulassung als E-Geld-Institut oder Kreditinstitut, müssen Reserven 1 zu 1 halten und jederzeit zum Nennwert zurücktauschen. Zinsen auf Stablecoins sind verboten.

      Parallel arbeitet die Europäische Zentralbank am digitalen Euro. Er wäre Zentralbankgeld, also kein Stablecoin eines Unternehmens, und läuft nach aktuellem Plan nicht auf einer öffentlichen Blockchain. Die EZB ist 2025 in die nächste Vorbereitungsphase gegangen. Die Ausgabe hängt an der EU-Gesetzgebung und ist frühestens gegen Ende des Jahrzehnts realistisch.

      Tokenisierte Werte

      Unter dem Schlagwort Real World Assets passiert gerade der vielleicht wichtigste Wandel. Banken und Fondsgesellschaften geben Anleihen, Geldmarktfonds, Immobilienanteile oder Rohstoffe als Token aus. Der Vorteil ist nicht Magie, sondern Abwicklung: Kauf und Zahlung passieren im selben Moment (Lieferung gegen Zahlung), rund um die Uhr, ohne Kette aus Verwahrstellen dazwischen. Und Regeln wie „nur geprüfte Anleger dürfen kaufen“ stecken direkt im Token-Vertrag.

      Deutschland war hier früh dran. Seit dem Gesetz über elektronische Wertpapiere (eWpG) von 2021 dürfen Anleihen und Fondsanteile ohne Papierurkunde in einem Kryptowertpapierregister ausgegeben werden. Die EU erlaubt mit dem DLT-Pilotregime seit 2023 Handels- und Abwicklungssysteme auf Blockchain-Basis. Die Europäische Investitionsbank, Siemens und mehrere Landesbanken haben schon digitale Anleihen auf öffentlichen und privaten Ketten begeben.

      Ehrlich gesagt: Die Mengen sind im Vergleich zum Gesamtmarkt noch winzig. Aber die Richtung ist klar, und sie ist das Gegenteil von Spekulation. Es geht um langweilige Effizienz.

      DeFi und Börsen ohne Betreiber

      DeFi steht für Decentralized Finance: Finanzdienste als Smart Contracts. Kredite, Börsen, Zinsen, ohne Bank in der Mitte. Das bekannteste Beispiel ist die automatische Börse (Automated Market Maker, AMM). Sie hat kein Orderbuch und keinen Händler. Sie hat einen Topf mit zwei Token, etwa Ether und USDC, und eine Formel:

      x × y = k
      
      x = Menge Ether im Topf
      y = Menge USDC im Topf
      k = bleibt beim Tausch konstant (abzüglich Gebühr)

      Wer Ether in den Topf legt, bekommt so viel USDC heraus, dass das Produkt gleich bleibt. Der Preis ergibt sich nur aus dem Verhältnis im Topf. Das funktioniert verblüffend gut. Es hat aber eine Eigenheit: Je größer dein Tausch im Verhältnis zum Topf, desto schlechter dein Kurs.

      Animation 6 · Topf mit 100 ETH und 300.000 USDC

      Blauer Punkt: Topf vorher. Gelber Punkt: Topf nachher. Die Rechnung nutzt die Formel von Uniswap Version 2 mit 0,3 Prozent Gebühr. Der Kursverlust durch die Topfgröße heißt Slippage.

      Wer Token in den Topf legt, heißt Liquiditätsgeber und bekommt die Gebühren. Er trägt aber ein Risiko: Ändert sich der Kurs stark, hätte er mit einfachem Halten oft mehr verdient. DeFi zeigt, was Smart Contracts können. Es zeigt aber auch, wie viel Risiko in Code steckt, den kaum jemand prüft.

      Layer 2 und Rollups

      Ethereum schafft auf der Hauptkette nur etwa 15 bis 30 einfache Transaktionen pro Sekunde. Das ist gewollt: Jeder Knoten soll auf normaler Hardware laufen können. Die Lösung heißt nicht „größere Blöcke“, sondern Rollups. Sie verarbeiten Tausende Transaktionen außerhalb, fassen sie zusammen und schreiben nur das Ergebnis plus die komprimierten Daten auf Ethereum. So erben sie dessen Sicherheit.

      Zwei Arten, Rollups abzusichern
      Optimistic RollupZK-Rollup
      GrundideeAlles gilt als richtig, außer jemand beweist das GegenteilJeder Stapel kommt mit einem mathematischen Beweis, dass er richtig ist
      Auszahlung auf EthereumNach einer Einspruchsfrist von etwa 7 TagenSobald der Beweis geprüft ist
      AufwandGeringBeweise rechnen ist aufwendig
      BeispieleArbitrum, Optimism, BasezkSync, Starknet, Scroll, Linea

      Das Upgrade Dencun hat 2024 einen eigenen, billigen Datenplatz für Rollups eingeführt, sogenannte Blobs. Seitdem kosten Transaktionen auf Layer 2 oft nur Bruchteile eines Cents. Fusaka hat Ende 2025 mit PeerDAS die Menge möglicher Blobs weiter erhöht: Knoten müssen nicht mehr alle Daten laden, sondern prüfen Stichproben. Die Schattenseite: Viele Rollups haben noch einen zentralen Sequencer, der die Reihenfolge der Transaktionen festlegt, und Notfall-Schlüssel für Updates. Die Seite L2BEAT bewertet, wie weit jedes Rollup schon dezentral ist.

      Was schiefgeht

      Die Kette selbst wird so gut wie nie gehackt. Gehackt werden Verträge, Brücken, Börsen und Menschen. Die bekanntesten Fälle:

      • The DAO, 2016: Ein Fehler in einem Smart Contract erlaubte, rund 3,6 Mio. Ether abzuziehen. Ethereum hat daraufhin die Kette per Hard Fork zurückgedreht. Wer das ablehnte, machte als Ethereum Classic weiter.
      • Brücken, 2022: Ronin (rund 600 Mio. US-Dollar) und Wormhole (rund 320 Mio.). Brücken verbinden zwei Ketten und halten dafür große Töpfe. Das macht sie zum Lieblingsziel.
      • Bybit, Februar 2025: Rund 1,5 Mrd. US-Dollar in Ether wurden von der Börse gestohlen. Das FBI ordnete den Angriff Nordkorea zu. Nicht der Vertrag war das Problem, sondern die Oberfläche, über die Mitarbeitende eine manipulierte Transaktion signierten.

      Reentrancy: der Klassiker

      Der DAO-Fehler hat einen Namen: Reentrancy, Wiedereintritt. Ein Vertrag schickt Geld an einen anderen Vertrag, bevor er den Kontostand auf null setzt. Der Empfänger ist ein Angreifer-Vertrag, der beim Empfang sofort wieder „auszahlen“ ruft. Der Kontostand steht noch auf dem alten Wert, also wird wieder ausgezahlt. Und wieder. Bis der Topf leer ist.

      // Verwundbar
      function auszahlen() external {
          uint betrag = guthaben[msg.sender];
          require(betrag > 0, "Kein Guthaben");
          (bool ok, ) = msg.sender.call{value: betrag}("");   // Angreifer ruft hier erneut auf
          require(ok);
          guthaben[msg.sender] = 0;                         // zu spät
      }
      
      // Sicher: erst prüfen, dann Zustand ändern, dann Geld senden
      function auszahlen() external {
          uint betrag = guthaben[msg.sender];
          require(betrag > 0, "Kein Guthaben");
          guthaben[msg.sender] = 0;
          (bool ok, ) = msg.sender.call{value: betrag}("");
          require(ok);
      }

      Animation 7 · Ein Angriff in Zeitlupe

        Die Bank hält 10 ETH von anderen Kunden. Der Angreifer zahlt 1 ETH ein und ruft dann auszahlen. Einrückung zeigt, wie tief die Aufrufe ineinander stecken.

        Heute gibt es gegen solche Fehler gute Werkzeuge: geprüfte Bibliotheken wie OpenZeppelin, Sperren gegen Wiedereintritt, automatische Analyse, formale Verifikation und professionelle Audits. Ein Audit ist aber keine Garantie. Die Regel bleibt: Je mehr Geld ein Vertrag hält, desto weniger Code sollte er haben.

        Und die Menschen

        Die meisten Verluste von Privatleuten entstehen nicht durch Code, sondern durch Betrug. Gefälschte Support-Chats, die nach der Wiederherstellungsphrase fragen. Webseiten, die eine harmlose Signatur vorgaukeln und in Wahrheit eine unbegrenzte Erlaubnis holen. Falsche Anlageberater, oft nach wochenlangem Vertrauensaufbau. Zwei Regeln schützen vor dem Großteil: Die Wörterliste gibt man niemandem, nie. Und: Lies auf der Hardware-Wallet, was du signierst, nicht auf der Webseite.

        Recht und Steuern in der EU

        Lange war unklar, was für Krypto gilt. Das ist in der EU vorbei. Die wichtigsten Regeln im Überblick:

        Was gilt, Stand November 2026
        RegelSeitWorum es geht
        MiCA, Stablecoins30. Juni 2024Herausgeber von Euro- und Dollar-Token brauchen Zulassung und volle Reserven
        MiCA, Anbieter30. Dez. 2024, Übergang bis spätestens 1. Juli 2026Börsen, Verwahrer und Broker brauchen eine Zulassung, in Deutschland über die BaFin. Gilt dann in der ganzen EU
        Geldtransfer-Verordnung30. Dez. 2024„Travel Rule“: Bei Überweisungen zwischen Anbietern reisen Name und Adresse mit
        eWpGJuni 2021Elektronische Wertpapiere und Kryptowertpapierregister in Deutschland
        DLT-PilotregimeMärz 2023Erlaubt Handels- und Abwicklungssysteme für Wertpapiere auf Blockchain
        DAC81. Jan. 2026Krypto-Anbieter melden Transaktionen ihrer Kunden an die Finanzämter in der EU

        Wichtig: MiCA gilt nicht für alles. Tokenisierte Wertpapiere fallen unter das normale Wertpapierrecht. Einzigartige NFTs sind grundsätzlich ausgenommen, Serien gleichartiger NFTs können aber doch darunter fallen. Und reine DeFi-Protokolle ohne verantwortliche Stelle sind bisher kaum erfasst.

        Steuern in Deutschland, in groben Zügen

        Für Privatleute gelten Kryptowerte als private Wirtschaftsgüter. Gewinne aus dem Verkauf sind steuerfrei, wenn zwischen Kauf und Verkauf mehr als ein Jahr liegt. Innerhalb eines Jahres sind sie steuerpflichtig, wenn alle solchen Gewinne im Jahr zusammen 1.000 Euro erreichen. Einnahmen aus Staking und Lending werden anders behandelt. Das Bundesfinanzministerium hat die Details im Schreiben von 2022 und in der Überarbeitung vom März 2025 festgelegt, inklusive strenger Aufzeichnungspflichten. Für Unternehmen gelten die normalen Regeln der Buchführung. Sprich mit deiner Steuerberatung, bevor du handelst, nicht danach.

        Wann es sich für Firmen lohnt

        In Teil 1 haben wir die Grundfrage gestellt: Brauchst du wirklich eine Blockchain, oder reicht eine Datenbank? Die ehrliche Antwort ist in neun von zehn Fällen: Datenbank. Eine Blockchain lohnt sich nur, wenn alle drei Punkte zutreffen:

        1. Mehrere Parteien müssen dieselben Daten schreiben.
        2. Sie vertrauen sich nicht genug, um einer von ihnen die Datenbank zu überlassen.
        3. Es gibt keine neutrale Stelle, die das übernehmen will oder darf.

        2026 gibt es aber Anwendungen, bei denen man nicht selbst eine Kette baut, sondern bestehende Netze nutzt. Das ist ein großer Unterschied:

        • Zahlungen mit Stablecoins: Für Auslandszahlungen oder Zahlungen zwischen Maschinen kann ein regulierter Euro-Stablecoin schneller und billiger sein als SWIFT. Zahlungsdienstleister bieten das inzwischen als normale Schnittstelle an.
        • Digitale Anleihen und Fondsanteile: Für Mittelständler, die Kapital aufnehmen, kann eine Anleihe nach eWpG schlanker sein als die klassische Route. Das läuft über spezialisierte Registerführer, nicht in Eigenregie.
        • Nachweise: Den Hash eines Dokuments mit Zeitstempel auf eine öffentliche Kette schreiben, um später zu beweisen, dass es zu diesem Zeitpunkt existierte. Billig, einfach, ohne personenbezogene Daten.
        • Tickets und Mitgliedschaften: Als Token weiterverkaufbar mit Regeln, etwa Höchstpreis oder Anteil für den Veranstalter. Funktioniert, aber nur, wenn Nutzer davon nichts merken müssen.

        Datenschutz

        Ein Konflikt bleibt: Die DSGVO verlangt ein Recht auf Löschung, eine öffentliche Blockchain kann nichts löschen. Deshalb gilt bei uns eine harte Regel: Keine personenbezogenen Daten auf die Kette, auch nicht verschlüsselt oder gehasht, wenn der Hash zurückverfolgt werden kann. Auf die Kette gehört höchstens ein Fingerabdruck, die Daten selbst liegen in einer normalen Datenbank, wo man sie löschen kann.

        So gehen wir bei VARTAKT vor

        1. Problem zuerst. Welche Parteien, welches Vertrauensproblem, welche Kosten heute?
        2. Erst ohne Kette bauen. Ein Protokoll, das nur angehängt werden kann, mit Hash-Kette und Signaturen. Das löst viele Fälle schon.
        3. Bestehende Netze nutzen. Wenn eine Kette nötig ist, dann ein etabliertes Netz oder Layer 2, keine eigene.
        4. Geprüfte Bausteine. Standards wie ERC-20, Bibliotheken wie OpenZeppelin, so wenig eigener Code wie möglich, Audit vor dem Start.
        5. Recht vor Code. Ob ein Token unter MiCA, eWpG oder Wertpapierrecht fällt, klärt ein Anwalt vor der ersten Zeile.

        Ausblick

        Was wir für die nächsten Jahre erwarten, als Einschätzung, nicht als Prognose mit Garantie:

        • Die Technik verschwindet nach hinten. Mit Smart Accounts, Passkeys und Apps, die Gebühren übernehmen, wird man Blockchain benutzen, ohne es zu merken. So wie niemand beim Online-Banking über TLS nachdenkt.
        • Stablecoins und tokenisierte Einlagen werden Zahlungsinfrastruktur. Mit klaren Gesetzen in EU und USA bauen Banken und Zahlungsdienste sie in ihre Produkte ein.
        • Tokenisierung wird Normalität in der Abwicklung. Langsam, reguliert und unspektakulär, zuerst bei Anleihen und Fonds.
        • KI-Agenten bekommen Wallets. Programme, die selbstständig kleine Beträge bezahlen, brauchen Geld, das per Code steuerbar ist. Stablecoins auf Layer 2 sind dafür ein naheliegender Kandidat. Wie das mit Freigaben durch Menschen zusammenpasst, beschreiben wir im Guide zum Harness-Dashboard.
        • Spekulation bleibt. Neben dem nützlichen Teil wird es weiter Hype-Token, Betrug und Abstürze geben. Die Technik ist neutral, die Anreize sind es nicht.
        Weniger Revolution, mehr Infrastruktur.

        Häufige Fragen

        Was ist ein Smart Contract?

        Ein Programm, das auf einer Blockchain gespeichert ist und von allen Knoten gleich ausgeführt wird. Es hat eine eigene Adresse, kann Guthaben halten und reagiert auf Transaktionen nach festen Regeln. Ein Vertrag im juristischen Sinn ist es nicht automatisch.

        Was ist der Unterschied zwischen Coin und Token?

        Ein Coin ist die eingebaute Währung einer Blockchain, etwa Bitcoin oder Ether. Ein Token ist ein Eintrag in einem Smart Contract auf einer bestehenden Blockchain, etwa ein ERC-20-Token auf Ethereum. Technisch ist ein Token nur eine Tabelle von Adressen und Beträgen.

        Was kostet eine Transaktion auf Ethereum?

        Gasverbrauch mal Gaspreis. Eine einfache Überweisung braucht 21.000 Gas, ein Token-Transfer etwa 50.000, ein Tausch an einer Börse oft weit über 100.000. Der Gaspreis schwankt mit der Auslastung. Auf Layer-2-Netzen ist dieselbe Aktion meist deutlich billiger.

        Was regelt MiCA?

        Die EU-Verordnung über Märkte für Kryptowerte regelt seit 2024 Stablecoins und seit 30. Dezember 2024 Anbieter von Kryptodienstleistungen wie Börsen und Verwahrer. Sie verlangt Zulassung, Whitepaper und Reserven. Tokenisierte Wertpapiere fallen nicht unter MiCA, sondern unter das Wertpapierrecht.

        Lohnt sich eine Blockchain für mein Unternehmen?

        Nur, wenn mehrere Parteien, die sich nicht vertrauen, dieselben Daten schreiben müssen und keine zentrale Stelle das übernehmen soll. In den meisten Fällen reicht eine normale Datenbank mit Protokoll und Signaturen. Für Zahlungen mit Stablecoins oder tokenisierte Wertpapiere kann es heute sinnvoll sein.

        Quellen

        Die Serie

        In short

        A blockchain is a shared ledger that many computers keep in sync; ownership is a private key, and every transaction is a signed message that passes through the mempool into a block until it is final. Smart contracts are programs stored on the chain that hold funds and enforce fixed rules; every computation step costs gas. A token is simply a table of addresses and balances inside a contract, standardised as ERC-20, ERC-721 or ERC-1155. In 2026 the useful part is stablecoins, tokenised securities and payments, scaled through rollups, and regulated in the EU by MiCA, the eWpG and DAC8. Most companies still do not need their own blockchain.