VARTAKT
Buch · Organisation · Minigame

Traction: Wer sitzt wo?

Diese Woche habe ich „Traction“ von Gino Wickman gelesen. Das Buch beschreibt ein Betriebssystem für kleine Firmen: wer welchen Sitz hat, welche Zahlen man jede Woche anschaut und welche drei bis sieben Dinge im Quartal wirklich zählen. Damit es hängen bleibt, habe ich daraus ein Minigame gebaut.

Von Daniel Grimm, VARTAKT 8 Min. Lesezeit · 2 Min. Spiel
Illustration: ein Organigramm aus fünf Sitzen, einer davon weiß gefüllt, daneben drei übereinanderliegende Steine als Quartals-Prioritäten.
Sitze statt Personen, Steine statt To-do-Listen. Illustration: VARTAKT
Right People, Right SeatsRunde 1 von 2 · Sitze besetzen

Alle Figuren sind ausgedacht. Bedienung mit Maus, Touch oder Tastatur (Tab und Enter).

Warum ich das Buch gelesen habe

Wir sind ein kleines Team in Berlin: Simon und ich als Gründer, dazu Entwicklung, Design und eine Scrum-Masterin, die uns coacht. Ich bin Geschäftsführer und programmiere trotzdem gern selbst. In einem Coaching kamen zwei Fragen auf, die ich nicht sauber beantworten konnte: Wer macht bei uns eigentlich was? Und wie organisieren wir die Arbeit, wenn jeder an drei Projekten gleichzeitig hängt?

Traction verspricht genau dafür ein System. Nicht eine Methode für ein Thema, sondern ein Gerüst für alles: Vision, Leute, Zahlen, Probleme, Abläufe und Umsetzung. Ich wollte wissen, ob das für ein Team unserer Größe taugt oder nur für Firmen mit 50 Leuten.

Was Wickman sagt

Wickman nennt sein System EOS, Entrepreneurial Operating System. Es besteht aus sechs Bausteinen. Wer an allen sechs gleichzeitig ein bisschen arbeitet, kommt laut Buch weiter als wer einen perfekt macht.

Die sechs Bausteine von EOS
BausteinWorum es gehtWerkzeug im Buch
VisionAlle wissen, wohin die Firma willEin Blatt mit Werten, Fokus, Zielen
PeopleRichtige Leute auf den richtigen SitzenAccountability Chart, GWC
DataWenige Zahlen, jede WocheScorecard mit 5 bis 15 Werten
IssuesProbleme lösen statt mitschleppenIdentify, Discuss, Solve
ProcessKernabläufe aufschreiben, alle machen es gleichKurze Prozess-Dokumente
TractionDisziplin in der UmsetzungRocks und Level-10-Meeting

Sitze vor Personen

Das Accountability Chart sieht aus wie ein Organigramm, funktioniert aber andersherum. Erst kommen die Sitze, die die Firma braucht, mit je etwa fünf Hauptaufgaben. Dann erst die Namen. In kleinen Firmen steht derselbe Name auf mehreren Sitzen. Das ist okay. Gefährlich ist ein Sitz, auf dem niemand steht, oder einer, auf dem zwei stehen.

Der GWC-Test

Ob jemand auf dem richtigen Sitz sitzt, prüft Wickman mit drei Fragen:

  • Get it: Versteht die Person, worum es auf diesem Sitz wirklich geht?
  • Want it: Will sie das, auch an schlechten Tagen?
  • Capacity: Hat sie Zeit, Wissen und Kraft dafür?

Fehlt eine der drei, ist es der falsche Sitz. Das sagt nichts darüber, ob jemand ein guter Mensch oder gut im Job ist. Es sagt nur: dieser Sitz, diese Person, das passt gerade nicht.

Visionär und Integrator

Ganz oben im Chart stehen zwei Sitze. Der Visionär hat die Ideen, sieht Chancen und denkt in Jahren. Der Integrator macht daraus Pläne, hält das Team zusammen und sorgt dafür, dass Dinge fertig werden. Laut Wickman sind das selten dieselbe Person, und ohne Integrator verpuffen viele Ideen.

Ideen brauchen einen Sitz, der sie fertig macht.

Rocks, Scorecard, Meeting

  • Rocks: drei bis sieben Vorhaben pro Quartal, jedes mit genau einer verantwortlichen Person. Der Rest wartet bewusst.
  • Scorecard: eine Handvoll Wochenzahlen, die zeigen, ob die Firma gesund ist. Wer die Zahlen kennt, muss weniger raten.
  • Level-10-Meeting: einmal pro Woche, 90 Minuten, immer gleiche Tagesordnung. Der größte Block ist für Probleme reserviert, die nach dem Muster Identify, Discuss, Solve gelöst werden.

Was wir bei Vartakt daraus machen

Das Spiel oben ist leicht. Die echte Version ist es nicht. Das nehmen wir uns für die nächsten Wochen vor:

  • Accountability Chart auf einer Seite: Sitze für Vertrieb, Delivery, Finanzen und Produkt, dazu Visionär und Integrator. Erst die Aufgaben, dann die Namen. Wo heute überall mein Name steht, ist die Liste der Dinge, die ich abgeben sollte.
  • Die Integrator-Frage: Wer bei uns diesen Sitz hat, ist offen. Das Buch hat mir gezeigt, dass die Frage wichtiger ist als jedes neue Tool.
  • Rocks fürs Quartal: maximal sieben, jedes mit einem Namen. Alles, was nicht draufsteht, kommt auf eine Parkliste.
  • Eine kleine Scorecard: wenige Zahlen, die wir jede Woche wirklich anschauen, statt vieler, die niemand liest.

Spannend für uns als Softwarefirma: Vieles davon brauchen auch unsere Kunden. Ein Sekretariat, ein Handwerksbetrieb, eine Bar. Überall gibt es Sitze, Zahlen und Probleme, die jede Woche wiederkommen.

Wie das Minigame funktioniert

Runde 1 ist der GWC-Test. Jede Figur hat drei Listen: welche Sitze sie versteht, welche sie will und für welche sie Kapazität hat. Jeder Sitz zeigt sofort, welche der drei Fragen erfüllt sind. Jeder fehlende Punkt kostet das Team eine Einheit Kapazität fürs Quartal, ein leerer Sitz drei.

Runde 2 sind die Rocks. Zwölf Vorhaben, jedes mit Aufwand und einem Sitz, der es verantwortet. Wie viel ein Vorhaben bringt, siehst du erst am Ende, wie im echten Leben. Sitzt auf dem verantwortlichen Sitz jemand mit vollem GWC, zählt der Rock voll. Sonst halb. Ohne Besetzung zählt er gar nicht.

Technisch ist das ein paar hundert Zeilen Vanilla JavaScript ohne Bibliotheken. Die Bestwertung rechnet das Spiel per Brute Force über alle 4096 Kombinationen der zwölf Vorhaben aus. Alles läuft im Browser, es wird nichts gespeichert.

// Wert eines Rocks hängt am Sitz, nicht nur am Vorhaben
const mult = s => !seat[s] ? 0 : gwc(seat[s], s) === 3 ? 1 : 0.5;
const traction = picked.reduce((sum, r) => sum + r.wert * mult(r.sitz), 0);

Häufige Fragen

Was ist EOS?

Das Entrepreneurial Operating System aus „Traction“: ein Gerüst für kleine Firmen mit sechs Bausteinen, nämlich Vision, People, Data, Issues, Process und Traction.

Was bedeutet GWC?

Get it, Want it, Capacity to do it. Versteht die Person den Sitz, will sie ihn, und hat sie Zeit und Können dafür? Fehlt einer der drei Punkte, passt der Sitz nicht.

Was sind Rocks?

Die drei bis sieben wichtigsten Vorhaben für die nächsten 90 Tage, jedes mit genau einer verantwortlichen Person.

Taugt das für ganz kleine Teams?

Ja, mit einer Einschränkung: Eine Person sitzt oft auf mehreren Sitzen. Das ist erlaubt, solange es sichtbar ist. Der Gewinn ist, dass kein Sitz mehr leer bleibt, ohne dass es jemand merkt.

Traction, in short

Gino Wickman's Traction describes EOS, an operating system for small businesses built on six components: vision, people, data, issues, process and traction. Its core tools are the accountability chart (seats before names), the GWC test (get it, want it, capacity to do it), three to seven quarterly rocks with one owner each, a weekly scorecard and a fixed weekly meeting. VARTAKT, a software studio in Berlin, turned it into a short browser minigame: put fictional characters on the right seats, pick your rocks for the quarter, and see how much traction you get.