4000 Wochen auf einen Blick
Ein Leben hat ungefähr 4000 Wochen. Das sagt Oliver Burkeman in „Four Thousand Weeks“. Wir haben daraus ein Werkzeug gebaut: Geburtstag eingeben, und du siehst alle 4000 als Kacheln. Die gelebten, diese eine, und alle, die noch kommen.
Die Anekdote: 30 Minuten für ein Buch über Zeit
Am Dienstagabend stand das hier in meinem Kalender:
Den Termin hat nicht ich eingetragen. Vorgeschlagen hat ihn die KI, mit der ich meine Woche plane. Ein Werkzeug, das meinen Kalender optimiert, reserviert mir also eine halbe Stunde für ein Buch, dessen ganze These ist: Mit dem Optimieren wirst du nie fertig. Die Klammer dahinter, „eine Sache zur Zeit“, war dann fast schon frech.
Ich habe die halbe Stunde gelesen. Hängen geblieben ist vor allem die Zahl. 4000 Wochen klingt nach viel, bis man es ausrechnet. Und dann wollte ich es nicht nur ausrechnen, sondern sehen. Einmal alle Wochen auf einem Bildschirm, ohne Scrollen. Am nächsten Tag lief die erste Version.
Dass ich damit eine Lese-Session in ein Programmier-Projekt verwandelt habe, ist mir bewusst. Burkeman hätte dazu vermutlich etwas zu sagen.
Was Burkeman sagt
„Four Thousand Weeks: Time Management for Mortals“ von Oliver Burkeman erschien 2021, auf Deutsch als „4000 Wochen. Das Leben ist zu kurz für Zeitmanagement“. Es ist ein Buch über Zeitmanagement, das gegen Zeitmanagement argumentiert. Die Kurzfassung:
- Du schaffst nie alles. Die Liste wächst schneller, als du sie abarbeitest. Effizienter werden macht sie nur länger.
- Entscheiden heißt verzichten. Jede Woche, die du für eine Sache nutzt, fehlt allen anderen. Das ist kein Fehler im System, das ist das System.
- Eine Sache zur Zeit. Lieber wenig fertig machen als viel anfangen. Und aushalten, dass der Rest liegen bleibt.
Die Geschichte mit den 25 Zielen
Eine Anekdote aus dem Buch geht so: Warren Buffett soll seinem Piloten geraten haben, die 25 wichtigsten Ziele seines Lebens aufzuschreiben und davon die 5 wichtigsten einzukreisen. Der Pilot wollte an den anderen 20 dann „nebenbei“ arbeiten. Buffett: Nein. Die anderen 20 sind genau die, die du um jeden Preis vermeiden musst. Sie sind interessant genug, um dich von den 5 abzulenken.
25 Ziele, 5 eingekreist. Die 20 leeren sind die gefährlichen.
Ob es sich genau so zugetragen hat, ist unklar. Als Werkzeug funktioniert es trotzdem, und es passt gut zu den Kacheln: Jede Woche kann nur eine Sache wirklich die Hauptsache sein.
Die Rechnung
| Größe | Wert | Anmerkung |
|---|---|---|
| 4000 Wochen | 28.000 Tage | Knapp 76,7 Jahre |
| 80 Jahre | ≈ 4.174 Wochen | 4000 ist eine Größenordnung, keine Prognose |
| 1 Jahr | ≈ 52,18 Wochen | 365,25 Tage durch 7 |
| Mit 30 | ≈ 1.565 gelebt | Bleiben ≈ 2.435, also gut 60 % |
| Mit 45 | ≈ 2.348 gelebt | Ab hier ist mehr gelebt als übrig |
| Ein Wochenende | 1 Kachel | Im Raster ist jede Woche gleich groß |
Woher das Raster kommt
Das Leben als Wochen-Raster hat nicht Burkeman erfunden. Bekannt gemacht hat es Tim Urban 2014 mit dem Wait-But-Why-Artikel „Your Life in Weeks“: 90 Jahre, jede Zeile ein Jahr, jede Kachel eine Woche. Seitdem hängt es als Poster in vielen Büros.
Wir machen zwei Dinge anders. Erstens sind es genau 4000 Kacheln, wie im Buch. Zweitens ist das Raster nicht fest in Jahreszeilen gebaut, sondern passt sich jedem Bildschirm an, damit die Kacheln so groß wie möglich werden. Auf einem Beamer an der Wand wirkt das anders als auf einem Poster.
Anwendungs-Review: 4000 Wochen im Vollbild
Die App läuft unter vartakt.com/wochen. Kein Login, kein Download. Ein Feld für den Geburtstag, darunter das Raster. Oben steht in riesigen Ziffern, wie viele Wochen übrig sind. Mit F oder dem Button geht alles in den Vollbildmodus.
Was passiert
- Nach der Eingabe laufen die gelebten Wochen in gut einer Sekunde von oben links ein. Das ist der Moment, in dem es klick macht.
- Die aktuelle Woche pulsiert weiß. Sie ist die einzige, an der du gerade etwas ändern kannst.
- Fährst du mit der Maus über eine Kachel (oder tippst drauf), siehst du die Wochennummer, dein Alter und das Datum, an dem sie beginnt.
- Wer älter als 76,7 Jahre ist, sieht 0 übrig und den Hinweis, wie viele Bonuswochen schon dazugekommen sind.
| Kriterium | Urteil | Warum |
|---|---|---|
| Verständlich | Sehr gut | Ein Feld, eine Zahl, ein Bild. Erklärung braucht es kaum. |
| Wirkung | Stark | Die Einlauf-Animation trifft. Gerade im Vollbild ist das Verhältnis gelebt zu übrig sofort klar. |
| Desktop & Beamer | Sehr gut | Kacheln um 10 bis 20 px, gestochen scharf auch auf Retina und 4K. |
| Handy | Gut | Alle 4000 passen, aber die Kacheln sind nur 5 bis 7 px groß. Querformat hilft. |
| Datenschutz | Sehr gut | Der Geburtstag verlässt den Browser nicht. |
| Was fehlt | Noch offen | Eigene Markierungen (Umzug, Kind, Projekt), Jahresraster als Alternative, Export als Poster. |
Ehrlich gesagt: Die App macht nicht mehr als ein Poster. Aber sie macht es mit deinem Datum, in diesem Moment, auf dem Bildschirm vor dir. Das reicht, um die Zahl aus dem Buch in etwas zu verwandeln, das man nicht mehr wegrechnen kann.
Technischer Aufbau
Wie Taktwerk ist „4000 Wochen“ eine Seite in unserer React-Website. Die Logik steckt in einem kleinen TypeScript-Modul ohne zusätzliche Bibliotheken. Gezeichnet wird nicht mit 4000 HTML-Elementen, sondern auf einem einzigen <canvas>.
| Baustein | Technik | Aufgabe |
|---|---|---|
| Page | React 18, React Router, Vite | Route /wochen, Eingabe, große Zahl, Legende |
| Logik | TypeScript-Modul grid.ts | Wochen zählen, Layout suchen, Kachel unter dem Finger finden |
| Zeichnen | Canvas 2D, devicePixelRatio | 4000 Kacheln pro Frame, scharf auf jedem Display |
| Größe | ResizeObserver | Layout neu rechnen, wenn Fenster oder Vollbild sich ändern |
| Animation | requestAnimationFrame | Einlauf der gelebten Wochen, Puls der aktuellen Woche |
| Vollbild | Fullscreen API, CSS-Fallback | Taste F; auf iPhones ohne API übernimmt position: fixed |
| Speicher | localStorage | Nur der Geburtstag, nur im eigenen Browser |
Die größten Kacheln finden
4000 Kacheln sollen jede Fläche möglichst gut füllen, egal ob Handy hochkant oder Beamer in 16:9. Dafür probiert die App einfach jede Spaltenzahl von 1 bis 4000 durch und nimmt die, bei der die Kacheln am größten werden. Das sind 4000 Divisionen, also nichts.
for (let cols = 1; cols <= 4000; cols++) {
const rows = Math.ceil(4000 / cols);
const cell = Math.min(width / cols, height / rows); // passt in beide Richtungen
if (cell > best.cell) best = { cols, rows, cell };
}
| Fläche | Spalten × Zeilen | Kachel |
|---|---|---|
| Beamer 1920 × 900 | 91 × 44 | ≈ 20 px |
| Laptop 1300 × 560 | 96 × 42 | ≈ 13 px |
| Handy 340 × 520 | 51 × 79 | ≈ 6,5 px |
Wochen zählen ohne Zeitzonen-Ärger
Klingt trivial, ist es fast. Wer mit lokaler Zeit rechnet, verliert durch die Sommerzeit ab und zu eine Stunde, und an der Grenze kippt dann eine ganze Woche. Deshalb rechnen Geburtstag und heute beide als Mitternacht in UTC, und erst dann wird durch die Millisekunden einer Woche geteilt.
| Zustand | Zeichnung | Warum |
|---|---|---|
| Gelebt | Weiß, 24 % Deckkraft, gefüllt | Ist passiert, tritt in den Hintergrund |
| Diese Woche | Weiß, pulsierend | Die einzige, die du gerade gestalten kannst |
| Übrig | Weißer Umriss, 1 Gerätepixel | Leer, aber da. Das soll ins Auge fallen |
| Sehr kleine Kacheln | Gefüllt statt Umriss | Unter 4 px wäre ein Umriss nur noch Rauschen |
| Weniger Bewegung | Kein Einlauf, kein Puls | Respektiert prefers-reduced-motion |
Vom Bildschirm an die Wand
Bei VARTAKT machen wir sonst Projection Mapping und Live-Visuals. Das Raster ist eigentlich wie gemacht dafür: 4000 Kacheln auf einer Hauswand, jede so groß wie ein Ziegel, und die aktuelle Woche leuchtet. Ob als Installation in einer Ausstellung, auf einer Konferenz zum Thema Zeit oder einfach im Büro an der Wand. Wer so etwas umsetzen will, meldet sich bei uns.
Und falls du gerade nur eine halbe Stunde hast: Mach die App zu, und lies das Buch. Eine Sache zur Zeit.
Häufige Fragen
Wie viele Wochen hat ein Leben?
Rund 4000. Genau 4000 Wochen sind 28.000 Tage oder knapp 76,7 Jahre. Wer 80 wird, lebt etwa 4174 Wochen. Die Zahl ist eine Größenordnung, keine Prognose.
Wird mein Geburtstag irgendwo gespeichert?
Nur in deinem eigenen Browser, damit die Seite ihn beim nächsten Mal kennt. Es wird nichts an einen Server geschickt.
Woher kommt die Idee mit dem Wochen-Raster?
Bekannt gemacht hat sie Tim Urban 2014 mit „Your Life in Weeks“ auf Wait But Why. Oliver Burkeman hat 2021 das Buch dazu geschrieben, wie man mit dieser Endlichkeit lebt.
Kann man das Raster als Installation buchen?
Ja. Es läuft im Vollbild auf jedem Beamer, für Wand oder Fassade bauen wir es als Mapping. Beispiele auf der Mapping-Seite, Anfragen über Kontakt.
Four thousand weeks, in short
Oliver Burkeman's book Four Thousand Weeks (2021) starts from a simple fact: the average human life lasts about 4000 weeks. VARTAKT, a Berlin studio for software and visual art, built a free browser tool at vartakt.com/wochen: enter your birthday and see your whole life as 4000 tiles in full screen. Weeks lived, this week, and all the weeks still to come. Your birthday never leaves your browser.