VARTAKT
Gründen · Video · Minigame

Businessplan auf einer Seite: Sechs Kästen statt 40 Seiten

Ein Startup kann ein gutes Produkt und zahlende Kunden haben und trotzdem scheitern, weil ein Teil nie aufgegangen ist. Im langen Businessplan sieht man das nicht. Auf einer Seite mit sechs Kästen schon. Bau den Plan erst selbst, dann lies weiter.

Von Daniel Grimm, VARTAKT 7 Min. Lesezeit · 3 Min. Spiel
Illustration: Ein Blatt mit sechs Kästen: Kunde, Problem, Versprechen, Vertrieb, Zahlen, Beweis. Der letzte Kasten trägt einen Haken. Daneben ein Kalenderblatt mit der Zahl 90.
Sechs Kästen0 von 6 ausgefüllt

Deine Idee: eine Software, die Bäckereien sagt, wie viel sie morgen backen sollen. Füll alle sechs Kästen aus und lass dann den 90-Tage-Test laufen. Idee, Antworten und Zahlen sind erfunden.

Woher das kommt

Die Idee stammt aus dem Video „The 1-Page Business Plan Behind Million Dollar Startups“ vom YouTube-Kanal des US-Fintechs Rho. Das Video ist Werbung für Rhos Finanzplattform, der Rahmen dahinter ist trotzdem gut. Er passt zu dem, was wir aus The Mom Test und Escaping the Build Trap mitgenommen haben.

Die Grundthese: Ein normaler Businessplan versteckt Fehler über Jahre. Der Kunde ist falsch, oder ein Kunde kostet in der Gewinnung mehr, als er je einbringt. Auf einer Seite stehen alle Annahmen nebeneinander. Man sieht, wenn sie sich widersprechen.

Die sechs Kästen

1. Der konkrete Kunde

„Kleine Unternehmen“ ist kein Kunde. Das kann ein Klempner, eine Softwarefirma oder ein Modeshop sein, mit völlig verschiedenen Problemen. Ein brauchbarer Kunde sagt: Was macht die Person, in welcher Phase ist sie, was nutzt sie schon, was hat sich gerade geändert?

Das Video nennt Canva als Beispiel. Vor Canva bauten die Gründer ein Design-Tool nur für Schuljahrbücher. Die Vision war größer, aber die Nische war klein genug, um daraus zu lernen. Test: Findest du zehn Menschen, die genau auf den Kasten passen, und kannst du mit ihnen reden? Wenn nicht, ist der Kunde noch zu vage.

2. Das teure Problem

Der wichtigste Kasten. Ein Problem ist wertvoll, wenn es oft passiert, etwas Spürbares kostet und den Kunden schon heute nach einer Lösung suchen lässt. Drei Fragen:

  • Wie oft passiert es?
  • Was kostet es, wenn es passiert?
  • Was macht der Kunde heute dagegen?

Die dritte ist die wichtigste. Konkurrenz ist selten ein anderes Startup, sondern eine Excel-Tabelle, eine Aushilfe oder ein chaotischer Ablauf, mit dem sich alle abgefunden haben. Und: das Problem in der Sprache des Kunden aufschreiben, mit Geld. Nicht „Planung ist schwer“, sondern „zu wenig bestellt heißt verlorener Umsatz, zu viel bestellt heißt gebundenes Geld“.

3. Das enge Versprechen

An dieser Stelle schreiben viele eine Feature-Liste: KI-Dashboard, Berichte, Warnungen, Analysen. Der Kunde muss aber erst das Ergebnis verstehen. Calendly ist das Beispiel aus dem Video: Statt E-Mails hin und her zu schicken, teilst du einen Link, und der andere wählt einen Termin. Ein Satz, sofort klar.

Wir helfen [Kunde], [Ergebnis] zu erreichen, ohne [heutigen Ärger].

Die erste Version braucht nur genug Funktionen, um genau das Versprechen einzulösen. Alles andere gehört auf die spätere Roadmap.

4. Der Vertriebsmotor

Ein gutes Produkt ohne Vertrieb ist ein schlechtes Geschäft. Eine Liste mit „Social Media, Ads, Messen, Newsletter“ ist kein Plan, nur eine Auswahl. Am Anfang braucht es einen Weg, der die richtigen Kunden immer wieder erreicht.

Am besten verbreitet sich das Produkt durch Nutzung selbst. Bei Calendly sieht jeder, der einen Buchungslink bekommt, das Produkt. Geht das nicht, such den einen Ort, an dem dein Kunde schon heute Hilfe sucht. Dann messbar machen: Wie viele Partner sprichst du pro Woche an, wie viele Kontakte bringt jeder, wie viele davon zahlen?

5. Die Zahlen eines Kunden

Keine Fünf-Jahres-Tabellen mit erfundenem Wachstum. Fünf Zahlen für einen einzelnen Kunden reichen:

Fünf Zahlen pro Kunde, mit dem Beispiel aus dem Video
ZahlFrageVideo-Beispiel (Shopify-Software)
PreisWas zahlt der Kunde?299 $ pro Monat
Kosten pro KundeWas kostet es, ihn zu betreuen?60 $ pro Monat, bleiben 239 $ Rohertrag
AkquisekostenWas kostet es, ihn zu gewinnen?600 $
AmortisationWann ist das wieder drin?etwa 2,5 Monate
HaltedauerWie lange bleibt er?Ziel: mindestens 6 Monate

Daraus folgt ein messbares Ziel statt „1 % von einem Milliardenmarkt“: Bei 299 $ im Monat wären rund 280 aktive Kunden eine Million Jahresumsatz. Das Video sagt selbst deutlich: Das ist keine Prognose, nur Rechnung. Abwanderung, Rabatte, Steuern und Betriebskosten fehlen noch. Die Aufgabe ist, die Schätzungen so schnell wie möglich durch echte Zahlen zu ersetzen.

6. Der 90-Tage-Beweis

Der letzte Kasten verhindert, dass die Seite in der Schublade landet. Was muss in 90 Tagen wahr sein, damit die Idee mehr Zeit und Geld verdient? Das Ziel misst Verhalten, keine Komplimente. „Software fertig“ ist ein schlechtes Ziel, denn fertige Software kann trotzdem kein Geschäft sein. Newsletter-Anmeldungen zeigen Interesse, aber nicht, dass jemand zahlt.

Ein gutes Ziel testet mehrere Annahmen auf einmal: 10 zahlende Kunden, alle eingerichtet, mindestens 7 nach drei Monaten noch dabei, 3 belegte Fälle, in denen das Produkt wirklich geholfen hat. Verfehlt man es, zeigt das auf einen bestimmten Kasten statt auf ein vages „hat nicht geklappt“.

Was wir bei Vartakt daraus machen

  • Eine Seite pro Produktidee. Bevor wir eine eigene Idee bauen, füllen wir die sechs Kästen. Wer einen Kasten nicht füllen kann, weiß, was er als Nächstes herausfinden muss.
  • Kasten 2 kommt aus Gesprächen. Das Problem schreiben wir erst auf, wenn wir es in Kundengesprächen mit Euro-Beträgen gehört haben, nach den Regeln aus The Mom Test.
  • Kasten 6 ersetzt die Feature-Liste. Unser 90-Tage-Ziel ist nie „Version 1 fertig“, sondern immer ein Verhalten von Kunden.
  • Die Seite lebt. Jede Zahlung, Kündigung oder Beschwerde ändert eine Zahl. Die Seite liegt im Repo neben dem Code und wird mit ihm aktualisiert.
  • Für Kunden: Gründer, die mit einer Idee zu uns kommen, gehen mit uns zuerst diese Seite durch. Das spart oft Monate Entwicklung.

Du hast eine Idee und willst wissen, ob die sechs Kästen zusammenpassen? Schreib uns.

Wie das Minigame funktioniert

Fünf Kästen haben je drei Antworten in zufälliger Reihenfolge: eine konkrete und zwei typische Fehler, etwa zu breit, Feature-Liste oder Kanal-Sammlung. Kasten 5 sind drei Regler. Rohertrag, Amortisation und die Zahl der Kunden für eine Million Jahresumsatz rechnen live mit. Der 90-Tage-Test prüft jeden Kasten und zeigt, wo der Plan zuerst bricht.

Wie solche Spiele bei uns aufgebaut sind, mit Leitfaden und Code-Gerüst, steht im Begleitartikel „Lernspiele für Blogposts bauen“.

Häufige Fragen

Was gehört in einen Businessplan auf einer Seite?

Sechs Kästen: konkreter Kunde, teures Problem, enges Versprechen, ein Vertriebsweg, die Zahlen eines Kunden und ein 90-Tage-Beweis.

Ersetzt der Plan einen Businessplan für die Bank?

Nein. Für Bank, Förderung oder Gründungszuschuss braucht es weiter einen ausführlichen Plan. Die eine Seite ist das Werkzeug davor: Sie zeigt, ob alles zusammenpasst, bevor man Zeit in das lange Dokument steckt.

Warum gerade 90 Tage?

Lang genug, um echtes Verhalten zu sehen: zahlen, einrichten, weiter nutzen. Kurz genug, um nicht ein Jahr in die falsche Richtung zu bauen.

Ist die Bäckerei-Software im Spiel echt?

Nein. Idee, Antworten und Zahlen sind erfunden. Das Beispiel im Video ist eine Inventar-Software für Shopify-Shops.

The one-page business plan, in short

Based on Rho’s video “The 1-Page Business Plan Behind Million Dollar Startups”: split your plan into six boxes. A specific customer you could interview ten of, an expensive problem in the customer’s words, a narrow promise (“we help X get Y without Z”), one distribution engine, the unit economics of a single customer (price, cost to serve, acquisition cost, payback, retention) and a 90-day proof that measures behaviour, not compliments. Our mini game lets you fill the boxes for a fictional bakery software and shows which box breaks first.