Kundenbedarf: Wer hat danach gefragt?
Ich baue gern. Genau das ist die Gefahr. Deshalb steht vor jedem neuen Feature eine Frage: Welcher zahlende Kunde hat namentlich danach gefragt?
Der Filter
Die Regel klingt streng. Sie schützt uns aber vor unserer größten Versuchung: Dingen, die spannend sind und die niemand braucht. Eigene Experimente gibt es weiterhin, aber dann mit klarer Grenze und bewusst als Experiment.
Zuhören, wo die Arbeit passiert
Für eine Insolvenzkanzlei bauen wir eine Software. Die wichtigsten Termine waren die, in denen wir direkt mit den Mitarbeiterinnen am System saßen. Zwei Dinge haben wir so gelernt:
- Die Funktionen reichten, die Oberfläche fühlte sich fremd an. Also haben wir die Oberfläche näher an ihre gewohnte Arbeit gebracht.
- Mehr KI war nicht besser. Automatisch erzeugte Aufgaben wollte niemand, Fristvorschläge kamen gut an. Die Aufgaben flogen raus.
Beides hätten wir am Schreibtisch nicht herausgefunden.
Die richtigen Fragen
Rob Fitzpatrick zeigt in The Mom Test, warum die Frage „Würdest du das nutzen?“ nichts taugt. Die Leute wollen nett sein. Besser ist die Frage nach dem echten Alltag: Wie machst du das heute? Wann war das zuletzt ein Problem?
Melissa Perri nennt die Falle in Escaping the Build Trap beim Namen: Eine Firma misst, wie viel sie baut, und nicht, ob es dem Kunden hilft.
Drei Fragen vor jedem Ticket
- Wer genau hat danach gefragt?
- Welches Problem löst es in seinem Alltag?
- Woran merken wir, dass es geholfen hat?
Zum Weiterlesen
- Rob Fitzpatrick: The Mom Test (2013), dazu unser Artikel
- Melissa Perri: Escaping the Build Trap (2018), dazu unser Artikel
In short
Before building a feature I ask which paying customer asked for it. Working next to users showed us that more AI is not automatically better.