Gelassen arbeiten: Was der Buddhismus mir im Alltag gibt
Ich bin kein Buddhist und kein Lehrer. Aber ein paar alte Ideen helfen mir mehr als jeder Produktivitäts-Trick. Hier sind fünf davon, jede als kleine Übung.
Der zweite Pfeil
In einer alten Lehrrede, dem Sallatha Sutta, geht es um zwei Pfeile. Der erste trifft dich: eine Absage, ein Fehler, eine schlechte Nachricht. Den zweiten schießt du selbst: Ärger, Grübeln, die Geschichte dazu.
Übung: Wenn etwas schiefgeht, frag dich: Was ist passiert? Und was erzähle ich mir gerade dazu? Der erste Teil ist oft nur ein Satz.
Drei Atemzüge vor der Antwort
Zwischen Nachricht und Reaktion passt mehr, als man denkt. Drei langsame Atemzüge reichen. Sie ändern nicht die Lage, aber oft die Antwort.
Übung: Vor jedem Gespräch dreimal ausatmen, bevor du den Raum oder den Call betrittst.
Gleichmut statt Festhalten
Gleichmut heißt in der Pali-Sprache Upekkha. Das ist keine Gleichgültigkeit. Du gibst alles für die Sache und hältst das Ergebnis trotzdem locker. Du kontrollierst den Einsatz, nicht die Antwort des Kunden.
Übung: Schreib morgens eine Sache auf, die heute von dir abhängt. Lass den Rest bewusst offen.
Alles geht vorbei
Stress geht vorbei, Erfolg auch. Das klingt banal und wird erst beim Üben hilfreich. Wer das ernst nimmt, klammert weniger an guten Wochen und erschrickt weniger in schlechten.
Übung: Bei einem starken Gefühl sagst du innerlich: „Das ist gerade so.“ Mehr nicht.
Metta: freundlich bleiben
Metta heißt liebende Güte. Du wünschst dir selbst und anderen im Stillen etwas Gutes. Mir hilft das am meisten bei Menschen, über die ich mich gerade ärgere.
Übung: Denk zwei Minuten an eine Person und sag innerlich: „Mögest du gesund sein. Mögest du in Ruhe arbeiten können.“ Dann schreib erst die Antwort.
Bonus: Rechte Rede im Chat
Rechte Rede gehört zum Achtfachen Pfad. Für den Alltag reichen drei Fragen vor dem Senden: Stimmt es? Hilft es? Ist jetzt der richtige Moment?
Hinweis: Das hier ist mein Erfahrungsbericht, kein medizinischer oder therapeutischer Rat.
Mehr dazu: Achtsamkeit im Alltag und Routinen aufbauen.
Zum Weiterlesen
- Thich Nhat Hanh: The Heart of the Buddha’s Teaching (1998)
- Walpola Rahula: What the Buddha Taught (1959)
- Shunryu Suzuki: Zen Mind, Beginner’s Mind (1970)
- Sallatha Sutta, Samyutta Nikaya 36.6
In short
Five Buddhist ideas I practise at work: the second arrow, three breaths before replying, equanimity, impermanence and loving kindness.